50 Jahre TC Sterkrade Blau-Weiss


von Edmund Koch

 

Noch vor Ablauf des 20. Jahrhunderts durfte in Sterkrade ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert werden: Hundert Jahre Tennis! Etwa um die gleiche Zeit flog auch erstmals im benachbarten Oberhausen die weiße Filzkugel. Die allerersten Tennisspieler hierzulande waren leitende Herren der Gutehoffnungshütte. Sie hatten wohl ihre Firma in England vertreten und dort Bekanntschaft mit dem Tennissport gemacht.

In alten Rechnungsbüchern der GHH ist 1889 ein Betrag von dreißig Mark "für Lawn-Tennisspiel" ausgewiesen. Aha! Die hiesigen Tennispioniere spielten also auf Rasen. Wie in England. Dort hatte Spencer Gore 1877 das erste Wimbledonturnier gewonnen. Exakt 22 Jahre später wurde auch in Oberhausen Tennis gespielt. Auf Rasen. Das war noch drei Jahre vor Gründung des deutschen Tennisbundes. Die Herren trugen lange Hosen. Die Damen spielten in Röcken bis an die Knöchel und mit Hüten auf den Köpfen. Selbstverständlich alles in Weiß. Paradiesvögel waren beim Tennis unbekannt.

Beiläufig ist im Hundertjahresbericht der Gesellschaft Erholung der "weiße Sport" erwähnt: "...Gelegenheit zu fröhlichem Beisammensein für Männlein und Weiblein. So der fidele Kegelclub mit Damen, der Gesangverein unter Leitung von Herrn Hall mit Tennisspiel." Die damaligen Sangesbrüder droschen mithin auch den Tennisball. Eine Ergänzung, die auch heute gang und gäbe ist.

Mitglied Bruno Möller hinterließ in seinem Bericht "Hinter dem Saal befindet sich im Klubgarten ein Tennisplatz, wo besonders fleißig von den Damen des Klubs gespielt wird." Diese werden auch wohl mehr Zeit als die Herren gehabt haben. Tennisanlage mit Klubhaus und Klubgarten (!) waren auf dem Werksgelände Sterkrade angesiedelt. Schon damals war Geselligkeit Trumpf. Die Tennis spielenden Damen und Herren der GHH erhielten 1924 Konkurrenz. Mitglieder der "Sterkrader Raben" gründeten den "Teste" Sterkrade Blau-Weiß. Gespielt wurde anfangs auf einem Platz der "Schwarzen Heide". An der von-Trotha-Straße, gleich neben der Gaststätte Frings.

Willi "Tölle" Wischermann (83), später auch Vorstandsmitglied im Alsfeld, erinnerte sich: "Uns stand ein Holzhaus mit Umkleide- und Waschräumen, natürlich ohne Duschen, zur Verfügung. Wir waren mehr gesellschaftlich als sportlich orientiert, hatten viel Freude. Über Neuaufnahmen entschied die Mehrheit der Mitglieder. Das waren bei uns die Damen. Da kam es schon vor, das weibliche Anwärter aus Konkurrenzgründen abgelehnt wurden."

1927 siedelte "Teste" in den Volkspark um, wo am Gondelweiher zwei Plätze gebaut waren. Im zweiten Weltkrieg lag  - wie so vieles -  das Klubleben am Boden. Die von Unkraut überwucherten Plätze wurden 1945 eingeebnet.

Erst 1957 entschlossen sich Sterkrader Tennisfreunde, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Zahnarzt Dr. Ottokar Dolecsek,  Dr. med. Josefh Wewel, Kaufmann Willi Wischermann und Kaufmann Karl Baumeister waren es, die mit einigen weiteren Interessenten den TC Sterkrade Blau-Weiß neu gründeten.

1.Vorsitzender wurde Dr. Ottokar Dolecsek. Unter seiner Führung erhielt der Verein Profil. Gespielt wurde auf einem Platz im Volkspark - in der Nachbarschaft mit dem TC Sterkrade 69, der den zweiten Platz benutzte. Drei Jahre später, 1960, erhielten die Blau-Weißen ein anderes Domizil. Im Alsfeld bezog der Club eine neue Heimat.

Damit begann in Sterkrade eine neue Tennis-Ära. Der unaufhaltsame Weg zum Volkssport Tennis. Die vereinseigene Anlage und das Klubhaus entstanden unter der Regie von Dr. Dolecsek und nach den Plänen und unter Aufsicht des Architekten Hans Ingendoh. Schon 1961 wurde die Anlage auf fünf Plätze erweitert. Aber auch das reichte den Initiatoren nicht, die Weitblick bewiesen. Blau-Weiß war mehr und mehr gefragt. 1971 wurde die Anlage auf sieben Plätze erweitert. War damit in Oberhausen hinter der OTHC-Anlage (acht Plätze) die zweitgrößte Tennisstätte.

Die Männer aus jenen Jahren kannten keinen Stillstand. Eine Tennishalle musste her. Die erste in Oberhausen. Der damalige 1. Vorsitzende, Rechtsanwalt Heinz Becker, trieb die Sache voran. Es wurde ein Hallenbauverein gegründet, mit Mitgliedern des TC Sterkrade Blau-Weiß. Die Mindesteinlage von DM 500,-- je Person wurde zu 7% verzinst. So kamen DM 130.000,-- zusammen. Die Finanzierung war gesichert. Schon ein paar Jahre später war die Halle bezahlt. Auf lange Zeit zum Segen des Vereins.

Bis 1968 war Dr. Ottokar Dolecsek der 1. Vorsitzende. Ihm folgten bis 1972 Heinz Becker, bis 1975 Karl Bläser und bis 1978 Erich Schweer.

Seit Gründung des Vereins im Jahre 1957 war Erich Schweer im Vorstand, bestimmte die Geschichte bei Blau-Weiß mit Umsicht und Sachverstand, war in der Jugendarbeit tätig, in der Geschäftsführung, war Aktiver, Trainer. Er bearbeitete die gesamte Vereinspalette von A bis Z und hat bis zu seinem Herztod 1978 auf dem Tennisplatz für "seinen" Verein außergewöhnlich viel geleistet, und wurde hoch "dekoriert". Als Aktiver war er darüber hinaus ein exzellenter Tennisspieler, Stadt- und Bezirksmeister der Senioren und Ratgeber in Bezirk und Verband.

Dr. med. Joseph Wewel war sein Nachfolger bis 1980. Bis 1983 "regierte" Manfred Börsch. In dessen Regentschaft fiel das 25jährige Vereinsbestehen, das u.a. mit einer Festrede von Heinz Becker gefeiert wurde. Bis 1986 führte Hans Baumeister den Verein. Sein Nachfolger bis 1995 war Falk Bläser. Ab 1995 bis 2001 lenkte mit Erfolg Heinrich Walterfang die Geschicke des Vereins.



 
Der Internetauftritt des TC Sterkrade Blau-Weiß hat mehrere Berichtspflichten. Eine davon ist, die Entstehung des Klubs und seine wichtigsten Ereignisse festzuhalten. In diesem Fall ist es zusätzlich erforderlich, über den Vorgänger, Teste Sterkrade, zu berichten. Jener Tennisklub Sterkrade (Teste) war 1924 von Mitgliedern des Gesellschaftsvereins "Sterkrader Raben" gegründet worden. Vereine haben ein paar markante Daten. Für den TC Sterkrade Blau-Weiß war dies beispielsweise der 26. März 1960. An diesem Tag wurde der Grundstein zum heutigen Klubhaus gelegt. Die Eröffnung des Sportaulen am 28. Mai 1960 war Anlass, eine Festschrift herauszugeben. Ihr Inhalt enthält die Entstehungsgeschichte unseres Vereins. Auch ist dargetan, wie es früher im Sterkrader Tennis zugegangen ist.

Auszug aus der damaligen Festansprache, gehalten am 26. März 1960, anlässlich der feierlichen Grundsteinlegung und der Einmauerung der Urkunde von unserem Mitglied Dr. med. Joseph Wewel († 2003)

Der Chronist findet besonders aus der ersten Zeit des Tennisclubs Blau-Weiß nur wenig authentische Angaben. So können  genaue Daten, besonders aus der Gründungszeit, nicht belegt werden. In den Jahren 1923 bis 1925 wurde auf dem Tennisplatz bei der Wirtschaft Frings, von-Trotha-Straße, von einigen tennissportbegeisterten Damen und Herren Tennis gespielt und der Club "Teste" Blau-Weiß gegründet. Sicher ist, dass es sich um eine Sportvereinigung handelte, mit einem betont gesellschaftlichen Einschlag. Interessant und bezeichnend für die Zeit nach dem ersten Weltkrieg ist die Tatsache, dass zur Zeit der Gründung mehr Damen als Herren Mitglieder waren. Da das Mindesteintrittsalter bei 18 Jahren lag, war m.E. schon der Grund zur zwangsläufig erfolgenden späteren Auflösung wegen Nachwuchsmangels gelegt. Da die Damen die Mehrheit hatten, bestimmten sie im wesentlichen auch über die Aufnahme neuer Mitglieder, und es liegt auf der Hand, dass sicher nicht immer nur rein sportliche Interessen beachtet wurden! Ein echter Sportbetrieb entwickelte sich aber erst ab 1927, weil dann die beiden Tennisplätze benutzt wurden, die die Stadtverwaltung am Gondelweiher, hinter dem Volkspark, errichtet hatte. Von diesem Zeitpunkt an dürfte die Blütezeit der sportlichen Betätigung rechnen, und der älteren Generation sind die Turniere gegen Schwarz-Weiß Oberhausen , Tennisclub Lintfort und gegen den Steeler Ruderverein in freudig-guter Erinnerung. Besonders die Turniere und die Siegesfeiern in Lintfort scheinen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben. Große gesellschaftliche Veranstaltungen, wie Nikolausfest, Maigang etc. trugen zum kameradschaftlich-sportlichen Zusammenhalt bei.

Die besten Spieler bei den Damen waren: Frl. Eschmann, Frl. Engels und Frl. Stahlschmidt, bei den Herren: Herr Stahlschmidt, Herr Wischermann und Karl Buß. Das unbesiegbare Herren-Doppel bildeten die Herren H. Hüttermann und W. Wischermann.

Da im Jahre 1937 seitens des NS-Sportbundes auch der Tennissport nationalsozialistisch reglementiert werden sollte, und es infolge des hohen Eintrittsalters auch an jugendlichem Nachwuchs fehlte, beschloss der Verein seine Auflösung. Die spielfreudigen Aktiven gingen zu Schwarz-Weiß Oberhausen und traten nach dessen Auflösung zum OTHC in Oberhausen über.

Genau 20 Jahre musste, da keine Tennisplätze angelegt wurden, jeglicher Spielbetrieb in Sterkrade ruhen. Im Jahre 1957 errichtete die Stadtverwaltung zwei neue Tennisplätze im Volkspark. Nach kurzem "wildem" Spielbetrieb ergab sich ganz von selbst, dass einige sportbegeisterte Damen und Herren sich darüber klar wurden, die Wiederbegründung des Tennisclubs Blau-Weiß mit allen Mitteln zu betreiben.

Wenn wir diese Wiederbegründung durchgeführt haben, so waren wir uns durchaus der Schwierigkeiten bewusst, die auf uns zukommen würden. Insbesondere war uns ganz klar, dass nur auf dem Fundament einer sportbegeisterten und spielfreudigen Jugend der Aufbau geschehen konnte. Weiterhin war zwangsläufig die Folge, dass auch dann auf einer eigenen Platzanlage genügend Spielmöglichkeit geschaffen werden musste.

Im Gegensatz zu 1925 hatten sich damit Absicht und Zielsetzung des Tennisclubs wesentlich geändert. Nach der großen Erfahrung der zwölf Jahre des tausendjährigen Reiches, nach dem grenzenlosen Sturz in das Nichts von 1945, entwickelte sich das Selbstbewusstsein und das Wollen der Jugend doch in anderer Richtung: Die Acceleration des Körpers lässt allzu leicht übersehen, dass die Reife des Geistes nach wie vor der Evolution unterworfen ist. Darauf entwickelte sich zwangsläufig die Ungereimtheit und mangelnde Reife, die sich dem unbefangenen Betrachter zeigt.

So setzte sich die Gründungsversammlung folgendes Ziel: Wir wollen der heranwachsenden Jugend die Möglichkeit geben, in ritterlich schönem Sport ohne Rowdytum sich zu stählen, sich zu erproben und sich zu finden und Körper und Geist das zu geben, was nur der edle Wettstreit geben kann: Beherrschung, Ritterlichkeit, Einsatz und Selbstzucht. So vereint sich in diesen Tugenden die Kraft des gestählten Körpers mit der Zartheit des geschliffenen Geistes, und das Ergebnis ist die Zurückführung der von Kultur und Umwelt verformten "Masse Jugend" zum beherrschten und einsichtigen Individuum, das zwischen Idol und Ideal wohl zu unterscheiden weiß.

Jugend ist aber von Natur aus auf Gemeinschaft angewiesen, nicht nur weil sie etwas schutzbedürftig wäre, sondern weil sie – das ist der Wille des Schöpfers – nur evolutionär die höheren Ziele des Lebens erreichen soll:

"Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen."

So wollen wir Älteren den Anfang eines Erbteils machen und freuen uns, dass den Mühen und Sorgen nun die Krone dieses Festtages geschenkt werden kann: Wir haben ein Zentrum geschaffen für unsere Jugend und auch für uns Ältere, wo die Tugenden des Sports wahr werden sollen, wo ein gesunder Geist in einem gesunden Körper gebildet wird. So glaube ich auch, dass es uns schon ein Opfer wert sein muss – auch ein materielles Opfer – diese Anlage zu erstellen und zu erhalten. Dient sie doch dem Ziel und dem Zweck, unserer Jugend einen Raum zu geben und eine Richtung zu weisen, wo sie das Erbe der Väter antreten, verwalten und mehren kann. 

An dieser Stelle sei nochmals allen gedankt, die ihre kostbare Zeit selbstlos geopfert, die weder Last noch Mühen gescheut haben, durch persönlichen Einsatz das Werk zu erstellen – Sie alle möchte ich bitten, durch aktiven sportlichen und tätigen Einsatz das Werk zu vollenden und dann zu erhalten. Wir tun es ja zum Wohle unserer Jugend, die sich bewusst fernhalten soll vom Kollektivismus und seinen Prinzipien, die aber in echtem jugendlichen Eifer nur Leistung und Haltung anerkennt ohne Unterschied  von Rang und Stand oder gar Klasse und von uns auf diesem Wege begleitet und gestärkt werden soll!

Dem Werk wünsche ich eine baldige glückliche Vollendung; möge die Anlage eine Stätte echter ritterlicher, sportlicher und geistiger Olympiade werden!

Unserem Tennisclub Blau-Weiß ein herzliches Vivat, Crescat, Floreat! 
Ad multos annos!

Chronist: EdKo
 

     
50 Jahre TC Sterkrade Blau-Weiss


von Edmund Koch

 

Noch vor Ablauf des 20. Jahrhunderts durfte in Sterkrade ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert werden: Hundert Jahre Tennis! Etwa um die gleiche Zeit flog auch erstmals im benachbarten Oberhausen die weiße Filzkugel. Die allerersten Tennisspieler hierzulande waren leitende Herren der Gutehoffnungshütte. Sie hatten wohl ihre Firma in England vertreten und dort Bekanntschaft mit dem Tennissport gemacht.

In alten Rechnungsbüchern der GHH ist 1889 ein Betrag von dreißig Mark "für Lawn-Tennisspiel" ausgewiesen. Aha! Die hiesigen Tennispioniere spielten also auf Rasen. Wie in England. Dort hatte Spencer Gore 1877 das erste Wimbledonturnier gewonnen. Exakt 22 Jahre später wurde auch in Oberhausen Tennis gespielt. Auf Rasen. Das war noch drei Jahre vor Gründung des deutschen Tennisbundes. Die Herren trugen lange Hosen. Die Damen spielten in Röcken bis an die Knöchel und mit Hüten auf den Köpfen. Selbstverständlich alles in Weiß. Paradiesvögel waren beim Tennis unbekannt.

Beiläufig ist im Hundertjahresbericht der Gesellschaft Erholung der "weiße Sport" erwähnt: "...Gelegenheit zu fröhlichem Beisammensein für Männlein und Weiblein. So der fidele Kegelclub mit Damen, der Gesangverein unter Leitung von Herrn Hall mit Tennisspiel." Die damaligen Sangesbrüder droschen mithin auch den Tennisball. Eine Ergänzung, die auch heute gang und gäbe ist.

Mitglied Bruno Möller hinterließ in seinem Bericht "Hinter dem Saal befindet sich im Klubgarten ein Tennisplatz, wo besonders fleißig von den Damen des Klubs gespielt wird." Diese werden auch wohl mehr Zeit als die Herren gehabt haben. Tennisanlage mit Klubhaus und Klubgarten (!) waren auf dem Werksgelände Sterkrade angesiedelt. Schon damals war Geselligkeit Trumpf. Die Tennis spielenden Damen und Herren der GHH erhielten 1924 Konkurrenz. Mitglieder der "Sterkrader Raben" gründeten den "Teste" Sterkrade Blau-Weiß. Gespielt wurde anfangs auf einem Platz der "Schwarzen Heide". An der von-Trotha-Straße, gleich neben der Gaststätte Frings.

Willi "Tölle" Wischermann (83), später auch Vorstandsmitglied im Alsfeld, erinnerte sich: "Uns stand ein Holzhaus mit Umkleide- und Waschräumen, natürlich ohne Duschen, zur Verfügung. Wir waren mehr gesellschaftlich als sportlich orientiert, hatten viel Freude. Über Neuaufnahmen entschied die Mehrheit der Mitglieder. Das waren bei uns die Damen. Da kam es schon vor, das weibliche Anwärter aus Konkurrenzgründen abgelehnt wurden."

1927 siedelte "Teste" in den Volkspark um, wo am Gondelweiher zwei Plätze gebaut waren. Im zweiten Weltkrieg lag  - wie so vieles -  das Klubleben am Boden. Die von Unkraut überwucherten Plätze wurden 1945 eingeebnet.

Erst 1957 entschlossen sich Sterkrader Tennisfreunde, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Zahnarzt Dr. Ottokar Dolecsek,  Dr. med. Josefh Wewel, Kaufmann Willi Wischermann und Kaufmann Karl Baumeister waren es, die mit einigen weiteren Interessenten den TC Sterkrade Blau-Weiß neu gründeten.

1.Vorsitzender wurde Dr. Ottokar Dolecsek. Unter seiner Führung erhielt der Verein Profil. Gespielt wurde auf einem Platz im Volkspark - in der Nachbarschaft mit dem TC Sterkrade 69, der den zweiten Platz benutzte. Drei Jahre später, 1960, erhielten die Blau-Weißen ein anderes Domizil. Im Alsfeld bezog der Club eine neue Heimat.

Damit begann in Sterkrade eine neue Tennis-Ära. Der unaufhaltsame Weg zum Volkssport Tennis. Die vereinseigene Anlage und das Klubhaus entstanden unter der Regie von Dr. Dolecsek und nach den Plänen und unter Aufsicht des Architekten Hans Ingendoh. Schon 1961 wurde die Anlage auf fünf Plätze erweitert. Aber auch das reichte den Initiatoren nicht, die Weitblick bewiesen. Blau-Weiß war mehr und mehr gefragt. 1971 wurde die Anlage auf sieben Plätze erweitert. War damit in Oberhausen hinter der OTHC-Anlage (acht Plätze) die zweitgrößte Tennisstätte.

Die Männer aus jenen Jahren kannten keinen Stillstand. Eine Tennishalle musste her. Die erste in Oberhausen. Der damalige 1. Vorsitzende, Rechtsanwalt Heinz Becker, trieb die Sache voran. Es wurde ein Hallenbauverein gegründet, mit Mitgliedern des TC Sterkrade Blau-Weiß. Die Mindesteinlage von DM 500,-- je Person wurde zu 7% verzinst. So kamen DM 130.000,-- zusammen. Die Finanzierung war gesichert. Schon ein paar Jahre später war die Halle bezahlt. Auf lange Zeit zum Segen des Vereins.

Bis 1968 war Dr. Ottokar Dolecsek der 1. Vorsitzende. Ihm folgten bis 1972 Heinz Becker, bis 1975 Karl Bläser und bis 1978 Erich Schweer.

Seit Gründung des Vereins im Jahre 1957 war Erich Schweer im Vorstand, bestimmte die Geschichte bei Blau-Weiß mit Umsicht und Sachverstand, war in der Jugendarbeit tätig, in der Geschäftsführung, war Aktiver, Trainer. Er bearbeitete die gesamte Vereinspalette von A bis Z und hat bis zu seinem Herztod 1978 auf dem Tennisplatz für "seinen" Verein außergewöhnlich viel geleistet, und wurde hoch "dekoriert". Als Aktiver war er darüber hinaus ein exzellenter Tennisspieler, Stadt- und Bezirksmeister der Senioren und Ratgeber in Bezirk und Verband.

Dr. med. Joseph Wewel war sein Nachfolger bis 1980. Bis 1983 "regierte" Manfred Börsch. In dessen Regentschaft fiel das 25jährige Vereinsbestehen, das u.a. mit einer Festrede von Heinz Becker gefeiert wurde. Bis 1986 führte Hans Baumeister den Verein. Sein Nachfolger bis 1995 war Falk Bläser. Ab 1995 bis 2001 lenkte mit Erfolg Heinrich Walterfang die Geschicke des Vereins.



 
Der Internetauftritt des TC Sterkrade Blau-Weiß hat mehrere Berichtspflichten. Eine davon ist, die Entstehung des Klubs und seine wichtigsten Ereignisse festzuhalten. In diesem Fall ist es zusätzlich erforderlich, über den Vorgänger, Teste Sterkrade, zu berichten. Jener Tennisklub Sterkrade (Teste) war 1924 von Mitgliedern des Gesellschaftsvereins "Sterkrader Raben" gegründet worden. Vereine haben ein paar markante Daten. Für den TC Sterkrade Blau-Weiß war dies beispielsweise der 26. März 1960. An diesem Tag wurde der Grundstein zum heutigen Klubhaus gelegt. Die Eröffnung des Sportaulen am 28. Mai 1960 war Anlass, eine Festschrift herauszugeben. Ihr Inhalt enthält die Entstehungsgeschichte unseres Vereins. Auch ist dargetan, wie es früher im Sterkrader Tennis zugegangen ist.

Auszug aus der damaligen Festansprache, gehalten am 26. März 1960, anlässlich der feierlichen Grundsteinlegung und der Einmauerung der Urkunde von unserem Mitglied Dr. med. Joseph Wewel († 2003)

Der Chronist findet besonders aus der ersten Zeit des Tennisclubs Blau-Weiß nur wenig authentische Angaben. So können  genaue Daten, besonders aus der Gründungszeit, nicht belegt werden. In den Jahren 1923 bis 1925 wurde auf dem Tennisplatz bei der Wirtschaft Frings, von-Trotha-Straße, von einigen tennissportbegeisterten Damen und Herren Tennis gespielt und der Club "Teste" Blau-Weiß gegründet. Sicher ist, dass es sich um eine Sportvereinigung handelte, mit einem betont gesellschaftlichen Einschlag. Interessant und bezeichnend für die Zeit nach dem ersten Weltkrieg ist die Tatsache, dass zur Zeit der Gründung mehr Damen als Herren Mitglieder waren. Da das Mindesteintrittsalter bei 18 Jahren lag, war m.E. schon der Grund zur zwangsläufig erfolgenden späteren Auflösung wegen Nachwuchsmangels gelegt. Da die Damen die Mehrheit hatten, bestimmten sie im wesentlichen auch über die Aufnahme neuer Mitglieder, und es liegt auf der Hand, dass sicher nicht immer nur rein sportliche Interessen beachtet wurden! Ein echter Sportbetrieb entwickelte sich aber erst ab 1927, weil dann die beiden Tennisplätze benutzt wurden, die die Stadtverwaltung am Gondelweiher, hinter dem Volkspark, errichtet hatte. Von diesem Zeitpunkt an dürfte die Blütezeit der sportlichen Betätigung rechnen, und der älteren Generation sind die Turniere gegen Schwarz-Weiß Oberhausen , Tennisclub Lintfort und gegen den Steeler Ruderverein in freudig-guter Erinnerung. Besonders die Turniere und die Siegesfeiern in Lintfort scheinen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben. Große gesellschaftliche Veranstaltungen, wie Nikolausfest, Maigang etc. trugen zum kameradschaftlich-sportlichen Zusammenhalt bei.

Die besten Spieler bei den Damen waren: Frl. Eschmann, Frl. Engels und Frl. Stahlschmidt, bei den Herren: Herr Stahlschmidt, Herr Wischermann und Karl Buß. Das unbesiegbare Herren-Doppel bildeten die Herren H. Hüttermann und W. Wischermann.

Da im Jahre 1937 seitens des NS-Sportbundes auch der Tennissport nationalsozialistisch reglementiert werden sollte, und es infolge des hohen Eintrittsalters auch an jugendlichem Nachwuchs fehlte, beschloss der Verein seine Auflösung. Die spielfreudigen Aktiven gingen zu Schwarz-Weiß Oberhausen und traten nach dessen Auflösung zum OTHC in Oberhausen über.

Genau 20 Jahre musste, da keine Tennisplätze angelegt wurden, jeglicher Spielbetrieb in Sterkrade ruhen. Im Jahre 1957 errichtete die Stadtverwaltung zwei neue Tennisplätze im Volkspark. Nach kurzem "wildem" Spielbetrieb ergab sich ganz von selbst, dass einige sportbegeisterte Damen und Herren sich darüber klar wurden, die Wiederbegründung des Tennisclubs Blau-Weiß mit allen Mitteln zu betreiben.

Wenn wir diese Wiederbegründung durchgeführt haben, so waren wir uns durchaus der Schwierigkeiten bewusst, die auf uns zukommen würden. Insbesondere war uns ganz klar, dass nur auf dem Fundament einer sportbegeisterten und spielfreudigen Jugend der Aufbau geschehen konnte. Weiterhin war zwangsläufig die Folge, dass auch dann auf einer eigenen Platzanlage genügend Spielmöglichkeit geschaffen werden musste.

Im Gegensatz zu 1925 hatten sich damit Absicht und Zielsetzung des Tennisclubs wesentlich geändert. Nach der großen Erfahrung der zwölf Jahre des tausendjährigen Reiches, nach dem grenzenlosen Sturz in das Nichts von 1945, entwickelte sich das Selbstbewusstsein und das Wollen der Jugend doch in anderer Richtung: Die Acceleration des Körpers lässt allzu leicht übersehen, dass die Reife des Geistes nach wie vor der Evolution unterworfen ist. Darauf entwickelte sich zwangsläufig die Ungereimtheit und mangelnde Reife, die sich dem unbefangenen Betrachter zeigt.

So setzte sich die Gründungsversammlung folgendes Ziel: Wir wollen der heranwachsenden Jugend die Möglichkeit geben, in ritterlich schönem Sport ohne Rowdytum sich zu stählen, sich zu erproben und sich zu finden und Körper und Geist das zu geben, was nur der edle Wettstreit geben kann: Beherrschung, Ritterlichkeit, Einsatz und Selbstzucht. So vereint sich in diesen Tugenden die Kraft des gestählten Körpers mit der Zartheit des geschliffenen Geistes, und das Ergebnis ist die Zurückführung der von Kultur und Umwelt verformten "Masse Jugend" zum beherrschten und einsichtigen Individuum, das zwischen Idol und Ideal wohl zu unterscheiden weiß.

Jugend ist aber von Natur aus auf Gemeinschaft angewiesen, nicht nur weil sie etwas schutzbedürftig wäre, sondern weil sie – das ist der Wille des Schöpfers – nur evolutionär die höheren Ziele des Lebens erreichen soll:

"Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen."

So wollen wir Älteren den Anfang eines Erbteils machen und freuen uns, dass den Mühen und Sorgen nun die Krone dieses Festtages geschenkt werden kann: Wir haben ein Zentrum geschaffen für unsere Jugend und auch für uns Ältere, wo die Tugenden des Sports wahr werden sollen, wo ein gesunder Geist in einem gesunden Körper gebildet wird. So glaube ich auch, dass es uns schon ein Opfer wert sein muss – auch ein materielles Opfer – diese Anlage zu erstellen und zu erhalten. Dient sie doch dem Ziel und dem Zweck, unserer Jugend einen Raum zu geben und eine Richtung zu weisen, wo sie das Erbe der Väter antreten, verwalten und mehren kann. 

An dieser Stelle sei nochmals allen gedankt, die ihre kostbare Zeit selbstlos geopfert, die weder Last noch Mühen gescheut haben, durch persönlichen Einsatz das Werk zu erstellen – Sie alle möchte ich bitten, durch aktiven sportlichen und tätigen Einsatz das Werk zu vollenden und dann zu erhalten. Wir tun es ja zum Wohle unserer Jugend, die sich bewusst fernhalten soll vom Kollektivismus und seinen Prinzipien, die aber in echtem jugendlichen Eifer nur Leistung und Haltung anerkennt ohne Unterschied  von Rang und Stand oder gar Klasse und von uns auf diesem Wege begleitet und gestärkt werden soll!

Dem Werk wünsche ich eine baldige glückliche Vollendung; möge die Anlage eine Stätte echter ritterlicher, sportlicher und geistiger Olympiade werden!

Unserem Tennisclub Blau-Weiß ein herzliches Vivat, Crescat, Floreat! 
Ad multos annos!

Chronist: EdKo